Asien – Investieren ohne (spätere) Reue




Handelsstreit und globale Wachstumsschwäche lassen viele Anleger vor Asien-Investments zurückschrecken. Bei zu viel Vorsicht verpassen sie aber das enorme Wachstumspotenzial.


In der Verhaltenspsychologie gibt es zahlreiche Phänomene, die sich auch in der Kapitalanlage beobachten lassen. Neulich war ich im Rahmen unserer halbjährlichen Investmentakademie in München und habe auf dem Weg zur Veranstaltung die Gelegenheit genutzt, mir in den Schaufenstern der Immobilienmakler und Banken einen Überblick über die aktuellen Immobilienpreise in der bayerischen Landeshauptstadt zu verschaffen. Quadratmeterpreise von 15.000 Euro sind keine Seltenheit, was bei mir spontan den Gedanken ausgelöst hat: warum hast Du vor 10 Jahren, als es noch günstig war, keine Mietwohnung in Schwabing oder Lehel gekauft? Es war ja im Rückblick so offensichtlich, dass niedrige Zinsen in Kombination mit attraktivem Standort zu steigenden Preisen führen mussten.

In der Verhaltenspsychologie nennt man dieses Verhalten: Reue oder Bedauern, nämlich das Bedauern in der Vergangenheit entweder eine Entscheidung getroffen zu haben, die sich später als falsch erwiesen hat oder, dass man eine richtige Entscheidung eben nicht getroffen hat. Dieses Bereuen kann je nach Ausprägung das zukünftige Anlageverhalten entweder in der Form von Verlustaversion oder Verpassensangst nachhaltig beeinflussen. Während Verlustaversion naheliegenderweise zu einem zu defensiven Anlageverhalten führt tragen Verpassenängste oft zu risikoreichem, momentumgetriebenen und teils erratischem Investieren bei. Mit Blick auf die Aktienmärkte sollte man aber beide Verhaltensweisen tunlichst meiden, um den langfristigen Anlageerfolg nicht zu gefährden. Denn sowohl übertriebene Vorsicht als auch Risikonahme können den Blick für das Wesenliche verstellen.


Kraft der Mittelschicht


Der Blick auf die asiatischen Aktienmärkte liefert dafür hervorragendes Anschauungsmaterial. Die asiatischen Volkswirtschaften haben in den letzten 23 Jahren eine fast beispiellose Aufholjagd begonnen, was Fortschritt und Wohlstand betrifft. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf hat sich in China verneunfacht, in Indien verfünffacht und in Indonesien verdreifacht. Die Urbanisierung schreitet voran und eine breite Mittelschicht entsteht.


     



1995 lag der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung in diesen drei Ländern noch zwischen null und 4 Prozent. Heute ist der Anteil schon auf 14 Prozent in Indien, 27 Prozent in Indonesien und 34 Prozent in China angestiegen. Im Jahr 2030 wird der Anteil nach heutigen Schätzungen je nach Land bei teilweise weit über 40 Prozent liegen. Das entspricht in Summe selbst bei vorsichtiger Schätzung einem Zuwachs der Mittelschicht von über einer Milliarde Menschen – ein gewaltiger Anstieg der Kaufkraft. In Asien entstehen große Binnenmärkte, mit strukturell steigender Nachfrage nach Konsumgüter, Medizin und Finanzdienstleistungen.

Ein Megatrend hat sich in Bewegung gesetzt, der sich trotz Asienkrise, Tech-Blase und Finanzkrise auch in der Kapitalmarktentwicklung widerspiegelt und sich nach unseren Langfristschätzungen auch zukünftig fortsetzen wird. Wenn wir beispielsweise die Entwicklung des Börsenwerts der asiatischen Unternehmen betrachten, ist der Anteil an der globalen Marktkapitalisierung von 1999 bis heute von 5 Prozent auf 16 Prozent gestiegen und ein Drittel der weltweiten Nettogewinne wird inzwischen von asiatischen Unternehmen erzielt. Strukturwandel und Fortschritt verschieben das Gravitationszentrum der Wirtschaftskraft in den kommenden 10 bis 15 Jahren weiter nach Asien.

Doch wie bei vielen anderen Trends in der Vergangenheit wie zum Beispiel Technologie und Internet ist auch diese Entwicklung nicht frei von Risiken und Rückschlägen. Aktuell leidet die ganze Region unter der Eskalation des Handelskonflikts und einer globalen Schwäche in der Industrie. Generell zeichnet die Region eine hohe Abhängigkeit zum verarbeitenden Gewerbe und dem Welthandel aus. Als Konsequenz haben in den letzten 15 Monaten asiatische Aktien 10 Prozent an Wert verloren während US-Aktien über 15 Prozent hinzugewonnen haben. „America first“ scheint aktuell auch das Credo an den Kapitalmärkten zu sein.

Doch Anleger sollten jetzt aufgrund der jüngsten Entwicklungen weder der Verlustaversion verfallen, noch hektisch auf den aktuellen Momentumzug aufspringen, sondern sich in Ihren Investments an dem langfristigen Wachstumspotential orientieren. So muss man in zehn bis fünfzehn Jahren nicht mit Bedauern an die heutige Zeit zurückdenken und fragen: „Warum habe ich eigentlich während des Handelskonflikts nicht mehr in Asien investiert als es noch günstig war?“ Es war ja so offensichtlich, dass die Region weiter florieren wird.

     
 
     






     

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Tilmann Galler

Executive Director, Market Strategist Deutschland, Österreich, Schweiz.

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